Um zu verstehen, wie sich normale menschliche Haut entwickelt und welche Fehler dabei zu Hautkrebs führen können, entwickelte Petra Boukamp dreidimensionale humane Organmodelle. Ihr gelang es, dass sich die Zellen in der Kulturschale selbstständig in Schichten organisieren. Diese Organmodelle sind reproduzierbar, kommen den Verhältnissen in humaner Haut sehr nahe und haben eine Lebenszeit von bis zu sechs Monaten.
An solchen 3D-Organmodellen untersuchen die Wissenschaftler, wie epidermale Stammzellen die lebenslange Regenerationsfähigkeit der Haut sicherstellen und in welchem Maße UV-Strahlung oder andere Umweltfaktoren die Haut altern lassen.
Werden diesem Kulturmodell Hautkrebszellen in verschiedenen Stadien der Bösartigkeit zugefügt, können die Forscher die Wechselwirkungen der Krebszellen mit ihrer Umgebung studieren bzw. Mechanismen untersuchen, die die Invasionsfähigkeit von Tumorzellen bedingen. Mittlerweile ist aus diesen 3D-Kulturen auch ein Modell entstanden, an dem die Wirkung bzw. Nebenwirkungen sowie die Resistenzbildung moderner Krebsmedikamente untersucht werden können.
Mit ihrer Forschung hat Petra Boukamp darüber hinaus wesentlich dazu beigetragen, die Rolle der Chromosomen-Enden (Telomere) und des „Unsterblichkeitsenzyms“ Telomerase in normalen sowie in zu Krebs entarteten Hautzellen zu entschlüsseln.
Petra Boukamp studierte Biologie an der Universität Heidelberg, promovierte in Kaiserslautern und habilitierte an der Universität Heidelberg. Seit 1972 ist sie am DKFZ, zuerst als technische Assistentin und dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Nach mehreren Forschungsaufenthalten an der Universität Irvine, Kalifornien, wurde sie zunächst Leiterin einer Arbeitsgruppe und von 2001 bis 2015 Leiterin der Abteilung „Genetik der Hautcarcinogenese“. Neben abschließenden Arbeiten am DKFZ ist sie seit 2015 auch als Teamleiterin am Leibniz Institut für Umwelt-medizinische Forschung in Düsseldorf tätig.
Der Deutsche Krebspreis, gestiftet von der Deutschen Krebsgesellschaft, zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin. Der Preis wird jährlich zu gleichen Teilen für hervorragende Arbeiten in der experimentellen Grundlagenforschung, in der translationalen Forschung und in der Tumordiagnostik und -behandlung verliehen. Jede Kategorie ist mit 7.500 Euro dotiert.
Petra Boukamp teilt sich den experimentellen Preis mit Martin Lipp vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin. In der Sparte „Klinische Forschung“ geht die Auszeichnung in diesem Jahr an Michael Hallek, Universität zu Köln. Im Bereich „Translationale Forschung“ wird Guido Reifenberger von der Universität Düsseldorf und vom Deutschen Krebskonsortium DKTK geehrt.
Die Preise wurden am 1. März beim 19. AEK-Kongress der Deutschen Krebsgesellschaft verliehen.
Ein Bild der Preisträgerin steht zum Download zur Verfügung:
Boukamp.jpg
Nutzungshinweis für Bildmaterial zu Pressemitteilungen
Die Nutzung ist kostenlos. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) gestattet die einmalige Verwendung in Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Thema der Pressemitteilung bzw. über das DKFZ allgemein. Als Bildnachweis ist folgendes anzugeben: „Quelle: Jutta Jung/DKFZ“.
Eine Weitergabe des Bildmaterials an Dritte ist nur nach vorheriger Rücksprache mit der DKFZ-Pressestelle (Tel. 06221 42 2854, E-Mail: presse@dkfz.de) gestattet. Eine Nutzung zu kommerziellen Zwecken ist untersagt.