Nr. 16

Prinzip der Selbstzerstörung der Tumorzelle entdeckt

Die Firma Rubikon AG, München, hat vom Deutschen Krebsforschungszentrum die Lizenz an einem Patent erworben, das neuartige Verfahren zur Auslösung des programmierten Zelltods, der Apoptose, in der Tumorzelle beinhaltet.
Zellen, die in einem Organismus nutzlos werden, können ein Programm aktivieren, durch das sie sich selbst töten und eliminieren. Es gibt Belege dafür, daß Tumorzellen nur deshalb überleben, weil sie dieses Programm nicht mehr starten können. Gene und deren Produkte, die dieses Programm des Zelltods einleiten können, sind deshalb für die Entwicklung von gengestützten Therapieansätzen von besonderer Bedeutung.

Prof. Dr. Dieter Werner, Leiter der Abteilung Biochemie der Zelle des Deutschen Krebsforschungszentrums, und sein Team haben in Zusammenarbeit mit Privatdozent Dr. Peter Nehls, einem der Gründer und jetzt Vorstandssprecher der Rubikon AG, ein Gen identifiziert (CID), dessen Produkt den Apoptoseprozeß in der Zelle auslösen kann. Auch Tumorzellen produzieren dieses CID-Genprodukt - die produzierte Menge ist jedoch nicht ausreichend, um den Selbstmordprozeß auszulösen. Eine gesteigerte Menge des CID-Genprodukts über einen Schwellenwert hinaus führt jedoch auch in der Tumorzelle zum Zelltod.

Zur Zeit können die Wissenschaftler diese Überproduktion des CID-Proteins dadurch erreichen, daß sie das aktive Gen von außen in die Tumorzellen einbringen. Weitere Methoden zur Erzielung eines überkritischen Zustands sind oder werden erprobt. Kürzlich gelang es ihnen, den Teil des Gens, der die Menge des zellulären Genprodukts bestimmt, zu charakterisieren. Die Aktivierung dieses “Promoter“ genannten Teils würde die Erhöhung des von der Zelle selbst produzierten Genprodukts ermöglichen. Dadurch würde sich die Einschleusung des aktiven Gens von außen - bisher ein Schwachpunkt gengestützter Therapieansätze - erübrigen. Ein anderer Weg ist die Hemmung des Abbaus des zellulären Genprodukts zur Einleitung des programmierten Zelltods, dessen Mechanismus ebenfalls inzwischen aufgeklärt worden ist.

Augenblicklich werden diese Verfahren von der Firma Rubikon in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern weiter erprobt. Es besteht die Hoffnung, die Basis für klinische Studien an krebskranken Menschen schaffen zu können.

Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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